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Konfirmanden auf Spurensuche

Zwei Gewerkschaftssenioren begleiten Jugendliche bei einem alternativen Stadtrundgang zu Stätten des Narzi-Terrors

 

Frankfurter Rundschau 30.11.05 v. Carsten Praeg:

"Wie war das damals?" Diese Frage konnten gestern Konfirmanden zwei Gewerkschaftssenioren fragen, die ihnen bei einem Stadtrundgang historische Plätze zeigten, an denen im Dritten Reich die Nazis wüteten.

 

INNENSTADT: Willi Malkomes bekommt einen nachdenklichen Geischtsausdruck, wenn er an den 10. November 1938 denkt - an den Morgen nach der Reichspogromnacht. Auf dem Schulweg fiel dem damals 13-Jährigen in Bockenheim eine ausgebrannte Synagoge auf. "Als ich meinen Schulkameraden aufgeregt davon erzählte, meinten die: Das ist noch gar nichts! Du musst mal in die Innenstadt gehen", erinnert sich der Gewerkschafter. Auf der Zeil sah er kurz darauf zwei ausgebrannte jüdische Geschäfte. In dem einen hatte ihm sein Onkel seine erste Taschenuhr gekauft.

 

Um junge Menschen auf Ausgrenzung hinzuweisen, engagiert sich Willi Malkomes seit Anfang der 80er Jahre im Senioren-Arbeitskreis des Gewerkschaftsbundes in Frankfurt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Manfred Laus, Jahrgang 1936, berichtet er, wie die Nationalsozialisten Millionen Unschuldige ermordeten. Gestern auf Einladung der Jugendkulturkirche sankt peter, die seit Anfang November Zeitzeugengespräche organisiert. In einem Raum der Liebfrauenschule hören 16 Konfirmandinnen und Konfirmanden der Paul-Gerhard-Gemeinde (Niederrad) zu.

 

"Stellt euch vor, alle Hessen würden ermordet", verdeutlichte sankt-peter-Pfarrer Rasmus Bertram, wie viel sechs Millionen Juden sind. Nach einer kurzen Einleitung ging es zur Staufenmauer. Hinter ihr stand einst die Hauptsynagoge - bis die Naszis sie 1938 niederbrannten. Eine schwarze Tafel erinnert daran.

 

Anschließend führten Willi Malkomes und Manfred Laus die Jugendlichen zum Polizeigefängnis in der Heiligkreuzgasse. Dort berichteten sie von der Sozialdemokratin Johanna Kirchner, die hier eingesperrt war. Ebesno wie ihre Tochter Lotte, wovon die Mutter jedoch nichts wusste. "Eines Nachts steckte eine Wärterin beide in eine gemeinsame Zelle", erzählte Malkomes. "So konnten sie ihre Aussagen absprechen." Wenigstens die Tochter entging so der Todesstrafe, ihre Mutter wurde jedoch 1944 hingerichtet. "Wir wollen jungen Menschen deutliche machen, dass trotz Terrors menschliche Gefühle möglich sind", erinnerte Willi Malkomes an die Wärterin, die eine Sympathie für Widerstandskämpfer hatte.

 

Zum Abschluss gingen die Gruppen vorbei am Museum Judengasse zur Gedenkstätte am alten jüdischen Friedhof. "Es ist eine gute Erfahrung, wenn den Jugendlichen anschaulich erklärt wird, was damals passiert ist", meinte Pfarrerin Ulrike Hofmann über das Angebot an die Konfirmanden. Und tatsächlich waren die 13- und 14-Jährigen dann am aufmerksamsten, wenn sie etwas Konkretes erfuhren. Beispielsweise, dass unter den vielen Gedenktäfelchen am alten Friedhof auch der Name "Anne Frank" zu finden ist.

 
 



Titel: Spurensuche

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