Junge Events im alten Gotteshaus

Frankfurter Rundschau vom 16.5.2007

Aus der Peterskirche wird mit Zustimmung der Denkmalschützer ein modernes Konzert- und Seminarhaus

 

Als Gotteshaus ist die Peterskirche nur noch von außen zu erkennen. Innen wird sie zurzeit in ein modernes Konzert- und Seminarhaus umgebaut. Dennoch sind die Denkmalschützer voll des Lobes für die neue "Jugendkulturkirche St. Peter", die im Herbst fertig werden soll.

 

Frankfurt - Stadtjugendpfarrer Jürgen Mattis sprach bei einer Begehung der Peterskirche am Dienstag von einem "neuen Weg kirchlichen Denkens". Am Ende des Weges soll ein Projekt Wirklichkeit werden, das weit über Frankfurts Grenzen hinaus für Furore sorgt: die Umwandlung einer alten Kirche in einen Veranstaltungsort für Jugendliche. Das vor der Vollendung stehende Gemeinschaftsprojekt von Landeskirche EKHN, evangelischem Regionalverband und Stadt hat nun auch den Segen des Denkmalschutzes: "Das ist ein Gesamtkunstwerk der Jetztzeit. Wir sind glücklich, dass die Kirche für die nächste Generation erhalten bleibt", sagte Hauptkonservator Christoph Mohr vom Landesamt für Denkmalpflege. Vor dem Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Kirche an der Bleichstraße (1961 bis 1965) war auch über ein Abriss des Gebäudes diskutiert worden.

 

Eingang zum Park hin

 

Die Jugendkulturkirche werde "für eine positive Belebung einer etwas abgehängten Ecke der Stadt sorgen", so Mohr. Besonders der alte Peterskirchenfriedhof mit seinen historischen Gräbern werde durch die Nutzung aufgewertet. Dort war es in der Vergangenheit immer wieder zu Schäden durch Vandalismus gekommen. Die Grünanlage zur Stephanstraße hin ist als Hauptzugangsweg der Kirche vorgesehen - der Eingang liegt nun in der ehemaligen Sakristei auf der Südseite. Als einzigen "Wermutstropfen" nannte Mohr einen zwölf Meter langen und sechs Meter hohen Anbau aus Beton an der Nordseite, der zum Be- und Entladen von Konzert-Lastwagen gebraucht wird.

 

Bis zu 1000 Jugendliche sollen künftig in der umgebauten Kirche Konzerten lauschen oder Partys feiern, die Bestuhlung reicht für 530 Personen. Platz für Workshops und Seminare ist zusätzlich entstanden. Außerdem gibt es im Turm einen Sakralraum, der für Andachten ebenso genutzt werden kann wie als "Chill-out-Bereich" bei Discos.Bei dem Umbau habe man den zweischiffigen Charakter des 1900 erbauten Gebäudes "aufgegriffen", sagte Klaus Stanjek vom Darmstädter Architekturbüro 54 f. Im "Hauptschiff" entsteht ein langgestreckter Saal mit einer zur Bleichstraße hin gelegenen Bühne. Vom Seitenschiff, in dem parterre ein Café und darüber Seminar- und Büroräume liegen, ist der Saal mit einer 400 Quadratmeter großen Wand aus Glas abgetrennt. Diese "Lichtwand" sei das wichtigste Element des Umbaus, sagte der Architekt. Die Wand kann später mit insgesamt drei Beamern als überdimensionale Leinwand genutzt werden. Erhalten geblieben sind die runden Kirchenfenster aus den 60er Jahren. Sie sollen die Büros hinter der Glaswand mit Tageslicht versorgen. Damit bei Konzerten Anwohner nicht gestört werden, mussten die Fenster mit zusätzlichem Schallschutz versehen werden. Der Saal sei auf eine Lautstärke von bis zu 110 Dezibel ausgerichtet, sagte Stanjek. Das Café an der Ostseite wird 60 Plätze bieten, zusätzlich sind im Außenbereich bis zu 90 Plätze vorgesehen. Geplant ist ein normaler Cafébetrieb.

 

Kosten um eine Million gestiegen

 

Der Umbau der Peterskirche sei ein "biblisches Projekt", sagte der Architekt mit Hinweis auf die lange Bauzeit. 2002 hatte das Büro 54 f den Architektenwettbewerb gewonnen. Mehrfach mussten die Bauarbeiten unterbrochen werden, unter anderem wegen statischer Mängel in der Ostwand der Kirche. Zudem verlangte die Feuerwehr eine Außentreppe als zweiten Fluchtweg vom Obergeschoss, wo ein "Sakralraum" eingerichtet wird. So stiegen die veranschlagten Kosten für den Kirchenumbau - 4,6 Millionen Euro - um knapp eine Million. Und es gibt weitere Widrigkeiten: Die Außenwand samt kaputter Entwässerung muss noch "ertüchtigt" werden.Dennoch soll noch in diesem Jahr die Einweihung erfolgen. "Wir streben einen Termin im Advent an", sagte Stadtjugendpfarrer Mattis. Martin Müller-Bialon