Ein Gotteshaus zum Feiern und Experimentieren

F.A.Z. vom 3.12.2007

Von Stefan Toepfer

Als Ort, „an dem Jugendliche Bestätigung finden, angstfrei miteinander umgehen und bei allen Sorgen einen positiven Blick in die Zukunft bekommen können“, hat Esther Gebhardt, die Vorstandsvorsitzende des Evangelischen Regionalverbands, am Sonntag die neue Jugendkulturkirche Sankt Peter bezeichnet. Beim Festakt zur Eröffnung des für 5,5 Millionen Euro umgebauten Gotteshauses nördlich der Zeil sagte Gebhardt, in jener Kirche werde es Jugendlichen auch ermöglicht, zu lernen, das Religion ein Glück verheiße, dass Konsum und „Warenwelt“ nicht vermitteln könnten.

Rund 600 Menschen waren zum Gottesdienst und dem anschließenden Festakt gekommen – darunter Vertreter des Magistrats wie Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU), Stadtverordnete sowie etliche Repräsentanten der evangelischen wie der katholischen Kirche und der Jüdischen Gemeinde. Das Gotteshaus gehört als eine der sogenannten Dotationskirchen der Stadt. Sie hat sich zu rund einem Drittel an den Umbaukosten beteiligt, genauso wie der Regionalverband, der Dachverband der evangelischen Kirche Frankfurts, und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Anzeige

Technik für Großveranstaltungen

Die Jugendkulturkirche umfasst einen mit aufwendiger Technik ausgestatteten Raum für Großveranstaltungen, etwa Konzerte. Neben diesem Kirchenschiff sind über mehrere Stockwerke ein Café mit 60 Plätzen und mehrere Räume für Workshops verteilt. Abgetrennt sind diese Räume vom Kirchenschiff durch eine „Lichtwand“, wie sie der Architekt Claus Staniek nennt. Auf ihr lassen sich großformatige Bilder projizieren, was Staniek den Besuchern demonstrierte. Hinzu kommt im Obergeschoss eine Kapelle.

Peter Steinacker, Kirchenpräsident der EKHN, würdigte das Projekt beim Festakt als „einzigartig in Deutschland“. Jugendliche könnten dort, unabhängig von ihrer sozialen oder religiösen Herkunft, miteinander feiern, Trauer teilen, Solidarität und Hoffnung einüben. In seiner Predigt hatte er zuvor im Gottesdienst gesagt, in der Kirche könne, auch mit allen „Experimenten, die sein müssen“, Gott als treuer Behüter der Menschen erfahrbar werden.

Neuerung wird Tradition gerecht

Die Oberbürgermeisterin würdigte das neue „Angebot an die Stadtgesellschaft“, in dem Jugend, Kultur und Kirche auf neue Weise miteinander verknüpft und die für ein Zusammenleben wichtigen Werte erfahrbar würden. Der evangelische Stadtjugendpfarrer Jürgen Mattis dankte der Stadt und der EKHN für den Einsatz bei der Realisierung des Umbaus. „Es ist toll geworden.“ Mattis gehört zugleich dem Aufsichtsrat der gemeinnützigen Gesellschaft an, die für den Betrieb der Jugendkulturkirche verantwortlich ist. Deren Gesellschafter sind die EKHN und der Regionalverband. Außer sieben fest angestellten Mitarbeitern sind in der Kirche viele Ehrenamtliche tätig. Schriftlich würdigte Gerd Weiß, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, die Umnutzung der Kirche als „wegweisend“.

Die Verbindung von Jugendkultur und historischem Gebäude werde der Tradition des Ortes und den heutigen Anforderungen gerecht. Die Kirche war 2002 von der Gemeinde nach der Fusion mit der Nachbargemeinde abgegeben worden. Sie stammt aus dem Jahr 1895. Nach dem Krieg wieder aufgebaut, diente sie von 1965 an als Pfarrkirche. Zurück geht die Peterskirche letztlich auf eine Kapelle aus der Zeit um 1380, die an der Schäfergasse stand.