Die neue Peterskirche – „ein Gesamtkunstwerk der Jetztzeit“

F.A.Z. vom 16.05.2007

Von Stefan Toepfer

 

 

Das Kirchenschiff der Peterskirche bietet Platz für Großveranstaltungen

Voraussichtlich in der Adventszeit wird die „Jugendkulturkirche St. Peter“ eröffnet. Das sagte der evangelische Stadtjugendpfarrer Jürgen Mattis. „Aber vielleicht wird es auch erst Anfang 2008 so weit sein“, fügte er bei einem Rundgang durch die an der Bleichstraße gelegene Kirche hinzu. Mattis ist vorsichtig geworden, schon öfter haben sich avisierte Eröffnungstermine vor allem wegen Schwierigkeiten beim aufwendigen Innenumbau nicht einhalten lassen. „Die Arbeiten sind im Herbst abgeschlossen“, versicherte der Architekt Claus Staniek. Bevor die Kirche öffentlich zugänglich sein wird, soll es zunächst einen Probebetrieb geben.

 

Anlass für den Rundgang war das Motto des Tags des offenen Denkmals, den das Landesamt für Denkmalpflege am 9. September veranstaltet: „Orte der Einkehr und des Gebets – Historische Sakralbauten“; aufmerksam gemacht wird auch auf Konzepte zur Um- und Weiternutzung von Kirchen, die keine gemeindlichen Versammlungsstätten mehr sind. Das Landesamt hatte schon vor dem Denkmaltag zur Besichtigung mehrerer solcher Kirchen eingeladen.

 

„Sakralraum“ im zweiten Stock

 

Die Peterskirche wurde bis 2002 als Gemeindekirche genutzt, nach der Fusion der Petersgemeinde mit der Epiphaniasgemeinde werden die Gottesdienste jedoch in der Epiphaniaskirche gefeiert. Seit 2004 wird die Peterskirche aufwendig zur Jugendkulturkirche umgebaut. Christoph Mohr, Hauptkonservator vom Landesamt für Denkmalpflege, sagte, die neue Nutzung der Kirche sei „eine Chance für den Bau“. Es entstehe ein „Gesamtkunstwerk der Jetztzeit“, das dazu beitrage, das Stadtviertel zu beleben.

 

Die Peterskirche war im 19. Jahrhundert nahe dem gleichnamigen, aus dem Mittelalter stammenden Gotteshaus erbaut worden. Im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, wurde die Kirche von 1961 bis 1965 wieder aufgebaut. „Das war eine Notsicherung“, so Mohr. Gedanklicher Ausgangspunkt für den jetzigen Umbau sei eher die Ruine gewesen, die nach dem Bombenangriff im März 1944 übrig geblieben sei.

 

Die Kirche besteht nach dem Umbau aus mehreren Teilen: Das Hauptschiff dient als Veranstaltungsfläche für Konzerte oder Partys für 500 bis 1000 Menschen. Schallschutzvorkehrungen wurden getroffen. „Großveranstaltungen sollen sich finanziell selbst tragen und nicht mit Kirchensteuern unterstützt werden“, hob Mattis hervor. Durch eine 400 Quadratmeter große gläserne Wand, auf die man auch Bilder projizieren kann, abgetrennt sind ein Café im Erdgeschoss sowie Verwaltungs-, Beratungs- und Seminarräume im ersten und zweiten Stock. In der zweiten Etage gibt es auch einen „Sakralraum“. Betrieben wird die Kirche von einer gemeinnützigen GmbH. Deren jährliches Budget umfasst Mattis zufolge schätzungsweise 1,2 Millionen Euro, die Umbaukosten betrügen 5,5 Millionen Euro.

 

„Es wurde nicht mit Geld geaast“

 

In die Höhe getrieben wurden die Kosten vor allem wegen der Sicherung der Ostwand, deren Statik mangelhaft war. Ende Juni sollen die Arbeiten in der Kirche abgeschlossen sein. Dann kann die für Veranstaltungen nötige Technik installiert werden. Außerdem müssen die Außenmauern des Kirchengeländes gestärkt und Wasserleitungen ausgetauscht werden.

 

Die Kosten teilen sich der Evangelische Regionalverband, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau und die Stadt. Der Kommune gehört das Gotteshaus, sie ist für den Bauunterhalt zuständig. Angesichts der Kosten, die für den Erhalt der Kirche ohne die Umnutzung angefallen wären, seien die 5,5 Millionen Euro relativ angemessen, so Mohr. „Es wurde nicht mit Geld geaast.“

 

Einen Kompromiss musste er aber hinnehmen: An der zur Bleichstraße gelegenen Seite hat die Kirche einen Anbau bekommen. Ihn können Lastwagen anfahren, die die Gerätschaften für Konzerte geladen haben. Der Haupteingang wurde an die Südseite verlegt. Besonders zu Großveranstaltungen sollen Jugendliche von der Zeil über den Peterskirchhof in die Kirche gelangen und nicht von Norden über die Bleichstraße. Gerade bei solchen Gelegenheiten sollen Sicherheitskräfte darauf achten, dass die Grabdenkmäler auf dem Kirchhof nicht beschädigt werden.